Der nationale Schweizer Studienkoordinator für pädiatrische Hodgkin-Lymphome macht gemeinsam mit internationalen Kollegen auf ein dringendes Problem aufmerksam: Vielversprechende Therapieansätze für junge Krebspatient:innen können nicht umgesetzt werden, weil die Pharmaunternehmen nicht kooperieren. Die Forschungsgruppe hat ihre Bedenken in einem Brief zum Ausdruck gebracht, der in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde.
Das Problem: Zwischen 2016 und 2020 führte die europäische Forschungsgruppe EuroNet-PHL die bislang grösste Studie zum Hodgkin-Lymphom durch, an der über 2.800 junge Patient:innen aus Europa und Ozeanien teilnahmen. Auf Grundlage dieser Ergebnisse und vielversprechender Studiendaten zur Immuntherapie wurde eine Folgestudie geplant, um zu zeigen, dass geringere Nebenwirkungen bei gleichbleibend hohen Heilungschancen möglich sein könnten. Seit zwei Jahren sucht die Studiengruppe jedoch vergeblich nach einer Partnerschaft mit der Pharmaindustrie.
Warum neue Therapien wichtig sind: Das Hodgkin-Lymphom ist eine bösartige Erkrankung des Lymphsystems, von der vor allem junge Patient:innen betroffen sind. Heute können 90 bis 95 Prozent von ihnen erfolgreich behandelt werden. Die Heilungsraten sind zwar gut, dennoch bleibt die Verringerung der langfristigen Toxizität der Behandlung eine Priorität. In der Vergangenheit führten intensive Chemotherapien und Bestrahlungen zu schwerwiegenden Spätfolgen wie sekundären Krebserkrankungen, Herzschäden und Unfruchtbarkeit. Die kürzlich abgeschlossene EuroNet-PHL-C2-Studie hat bereits gezeigt, dass Behandlungsänderungen zu einer geringeren langfristigen Toxizität der Behandlung führen, und die vorgeschlagenen Ansätze der nächsten Generation, die Immuntherapie mit einer weiter reduzierten Chemotherapie kombinieren, zielen darauf ab, diese Risiken noch weiter zu senken.
Der Brief: Der am 10. Januar 2026 veröffentlichte Brief wurde von PD Dr. Francesco Ceppi, einem pädiatrischen Onkologen am Universitätsspital Lausanne (CHUV), verfasst. Das grundlegende Problem: Der Markt für Kinderarzneimittel ist klein und für Pharmaunternehmen wirtschaftlich unattraktiv. Obwohl Gesetze eingeführt wurden, um die Entwicklung von Arzneimitteln für Kinder und Jugendliche zu fördern, wurden die meisten Studien zur Erprobung neuer Immuntherapien in erster Linie an Erwachsenen – wo die Patientenzahlen viel grösser sind – oder an pädiatrischen Populationen ausserhalb Europas durchgeführt.
Bedeutung für die Schweiz: Die SPOG hat bereits bei zwei EuroNet-PHL-Studien die Rolle des Sponsorenvertreters in der Schweiz übernommen. Ohne internationale Zusammenarbeit, die Partnerschaften mit Pharmaunternehmen beinhaltet, können die SPOG-Mitgliedskliniken jungen Krebspatient:innen in der Schweiz keine optimal verbesserten Behandlungen anbieten. Nur durch die Beteiligung von Pharmaunternehmen an pädiatrischen Studien können junge Patientinnen von vielversprechenden neuen Therapien profitieren und die Kosten von den Krankenkassen übernommen bekommen.
Unsere Hoffnung: Wir hoffen, dass die Veröffentlichung in The Lancet zu einem Umdenken bei den Pharmaunternehmen führt. Junge Patient:innen mit Hodgkin-Lymphom sollten Zugang zu innovativen Behandlungsstrategien haben, die vielversprechend sind, um behandlungsbedingte Spätfolgen zu reduzieren, ohne die Heilungsraten zu beeinträchtigen. Die Forschungsgrundlagen sind gelegt. Jetzt brauchen wir Pharmaunternehmen, die dabei helfen, diese Konzepte in die klinische Praxis umzusetzen.
Link zu The Lancet
Quellenhinweise
Ceppi F, Veening M, Mascarin M, Balwierz W, Mauz-Koerholz C, on behalf of the European Network for Pediatric Hodgkin Lymphoma Consortium. Action for first-line PD-1 inhibitors in paediatric Hodgkin lymphoma. The Lancet. 2026;407(10524): P126-127. DOI: 10.1016/S0140-6736(25)02386-4
Veröffentlicht 16.01.2026
Catia Gehrig
Catia Gehrig ist Head Partner Relations bei der SPOG und verantwortet die Kommunikation und das Fundraising sowie die Administration. Sie ist eine passionierte Kommunikatorin und Netzwerkerin für die Kinderkrebsforschung.
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